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In Ihrem eigenen Interesse:

Bitte befolgen Sie Tipps/Empfehlungen/Anregungen, die Sie hier oder anderswo im Internet gefunden haben, niemals, ohne das vorher mit Ihrem behandelnden Arzt, bzw. mit Ihrem Diabetesteam besprochen zu haben!

Wichtig!
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AEDL 13: Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

Hierbei meint Krohwinkel, daß Pflegepersonen die Patienten begleiten in der Auseinandersetzung mit existentiellen Erfahrungen wie Angst, Isolation, Ungewißheit, Sterben und Tod.

Pflege unterstützt ebenso bei existenzfördernden Erfahrungen wie Integration, Sicherheit, Hoffnung, Wohlbefinden und Lebensfreude. Auch Erfahrungen, die die Existenz fördern oder gefährden können, z.B. kulturgebundene Erfahrungen, Weltanschauung, Glaube, Religionsausübung, lebensgeschichtliche Erfahrungen, Biographie spielen hier eine Rolle.

Spezielle Pflege bei DM:

Das ist wohl einer der schwierigsten Punkte in der Pflege von Diabetikern (eigentlich bei allen chronischen Erkrankungen): die Auseinandersetzung mit der Änderung der Lebensgewohnheiten.

Nicht mehr der Pat. selbst bestimmt, was er tun oder lassen will, sondern er hat sich (selbst bei der liberalsten Therapieform) einem Regime unterzuordnen, welches von dem seiner Umgebung abweicht. Tut er es nicht, so hat das gesundheitliche Folgen, die auch akut zu schweren Einschränkungen führen. (Vor Einführung der Diabetes-Therapie war Diabetes mellitus eine tödliche Erkrankung!).

Die tägliche Auseinandersetzung mit chronischen Erkrankungen erfordert vom Pat. ein hohes Maß an Kraft und Kompromißbereitschaft. So ist es nicht verwunderlich, wenn Pat. irgendwann an einen Punkt kommen, an dem sie diese Kraft nicht mehr in erforderlichem Maß aufbringen können.

Diesen Punkt nennt man »Burn-out«; ein Ausgebranntsein, bei dem man mehr oder weniger bewußt die Augen vor der täglichen Realität verschließt. Diesen existentiellen Punkt zu erkennen erfordert vom Pflegepersonal ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl.
Insbesondere dann, wenn man für sich selber nicht den einfachen Weg gehen will, indem man den Pat. als »unkooperativ« abstempelt.

»Einfach« deshalb, weil »unkooperativ« eigentlich ein Abladen der Verantwortung auf den Pat. selber bedeutet. Sicher, er trägt schon die Verantwortung für sich selber. Aber er sollte nicht auch noch die berufliche Verantwortung des Pflegepersonals tragen müssen. In einem solchen Fall die Verantwortung nicht auf den Pat. abzuschieben heißt, daß man seine eigene Zielsetzung neu überdenkt: will man den »braven« Pat., der mit erstklassigen Laborwerten glänzen kann, quasi als äußeres Zeichen dafür, dass man seinen Job gut gemacht hat, oder will man das bestmögliche an Lebensqualität für den Pat., auch wenn das für eine gewisse Erholungszeit mal nicht die optimalen Werte bedeutet?

Ein Pat. im Burn-out braucht die Freiheit, sich mal nicht zu messen (messen zu lassen), mal völlig auf die Diät zu pfeifen; in etwa vergleichbar mit einem »Befreiungsschlag«.

Ihn dann nicht fallen zu lassen oder von oben herab zu behandeln - das ist es, was professionelle Pflege ausmacht: eine Hinwendung zum Menschen, völlig losgelöst von eigenen Vorstellungen und Wertmaßstäben, ganz auf die jeweils akuten, individuellen Bedürfnisse abgestimmt.

Was wir behandeln sind Menschen, nicht Erkrankungen!

 

AEDL 12: Soziale Bereiche des Lebens sichern

Bei diesem Lebensbereich unterstützt man ältere Menschen darin, bestehende Beziehungen aufrechtzuerhalten, und versucht, ihre Integration in ein selbstgewähltes soziales Umfeld zu fördern; sie vor sensorischen Deprivationen und Isolation zu schützen. Auch die sozialen Beziehungen zu Lebenspartnern, Freunden, Nachbarn, Bekannten und den primären persönlichen Bezugspersonen werden beachtet sowie der Beruf, die gegenwärtigen und früheren beruflichen Aktivitäten des Betroffenen und seine mit dem Beruf verbundene Verantwortung. Ferner private Verpflichtungen, z.B. Sorge tragen für den Lebenspartner. Außerdem gehört die Wohnung in diesen Bereich. Die Vor- und Nachteile der örtlichen Gegebenheiten, die Risiken wie Stufen oder Treppen, sowie die Angemessenheit von Wohnräumen, Toiletten, Flur und Badezimmerausstattung sind nach Krohwinkel ebenfalls zu berücksichtigen.

Spezielle Pflege bei DM:

Besonders in der ambulanten Pflege, wo die Verabreichung des Insulins durch den Pflegedienst vorgenommen wird, sind die Pat. eingeschränkt, wenn es um die Wahrnehmung außerhäuslicher Aktivitäten geht. Hier gilt es nach Möglichkeit Kompromisse zu finden:
Manchmal kann auf eine einzelne BZ-Messung zugunsten eines Familienausfluges verzichtet werden. Oder man versucht Mittel und Wege zu finden, wie der Pat. auch außer Haus zu seinem Insulin kommen kann (Möglicherweise eine Krankenschwester/-pfleger vor Ort, oder ein Insulinspritzender Diabetiker in der Verwandtschaft).

Jedenfalls sollte der Pat. nicht durch seinen Diabetes ans Haus gebunden sein!

 

AEDL 10: Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

Hier handelt es sich um einen Bereich, der in diesem Zusammenhang vielleicht etwas ungewöhnlich erscheint. Gemeint ist, daß Pflegearbeit ein positives und lebensbejahendes Selbstempfinden der Patienten als Mann oder Frau fördern sollte. Man muß in der Pflege die Sexualität des pflegebedürftigen Menschen akzeptieren, andernfalls kann man nicht gut pflegen. Durch den intensiven Kontakt, den man zu Patienten hat, erlebt man automatisch die Krisen mit, die ältere Menschen durch den Verlust ihrer Jugend und/oder des Partners sowie möglicherweise durch Gefühle von Einsamkeit haben. Man begleitet die Patienten, die unter Störungen im Bereich Nähe/Distanz leiden. Beim Lebensbereich "Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten" werden insbesondere Verbindungen zu den Bereichen "Sich pflegen", "Ausscheiden", "Sich kleiden", "Soziale Bereiche des Lebens sichern" und "Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen" beachtet.

Spezielle Pflege bei DM:

  • Stichpunkt »Diabetiker-Schuhe«: Oftmals entsprechen diese Schuhe nicht den modischen Gewohnheiten der Trägerin/des Trägers. Mit ihr/ihm kann man dann darüber sprechen, ob jetzt die modische Komponente wirklich soviel wichtiger ist als die Verhinderung eines diabetischen Gangräns. Allerdings ist ihre /seine Entscheidung zu berücksichtigen, evtl. läßt sich ja ein Kompromiß finden.
  • Diabetiker neigen häufiger als Gesunde zu Pilzinfektionen im Intimbereich. Von vielen wird das noch als eine Art Geschlechtskrankheit angesehen. Hier könnte man bei Pat., die ihre Grundpflege selbst übernehmen, vorsichtig nachfragen, ob es da schon mal Probleme gab/gibt, und Vorschläge machen, was man tun kann. (Antimykotische, also gegen Pilze gerichtete Cremes oder Vaginal-Zäpfchen nach Rücksprache mit dem Hausarzt, Optimierung der diabetischen Stoffwechsellage)
    Grund für diese vermehrte Häufigkeit ist der bei Diabetikern manchmal zuckerhaltige Urin. In Verbindung mit der Feuchtigkeit und der Dunkelheit des Areals bietet er einen optimalen Nährboden für Pilze.
  • Männliche Diabetiker könnten eine »erektile Dysfunktion« (so der medizinische Ausdruck für Impotenz) haben oder entwickeln. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Sie können organisch (schlechte Durchblutung), nerval (Neuropathie) oder psychisch bedingt sein.
    Nicht selten treten auch Mischformen auf, bei denen zwei oder alle drei Ursachen zusammenkommen.
    Daraus resultiert vielfach nicht nur ein gestörtes Selbstwertgefühl, sondern oft genug auch Probleme in der Partnerschaft. Hier wäre zuerst der Gang zum Urologen angezeigt, um organische Ursachen zu bestätigen oder auszuschließen. Der wird dann ggf. weiter zum Psychotherapeuten verweisen.

 

AEDL 11: Für eine sichere Umgebung sorgen

Hier ist gemeint, daß man auch die allgemeinen Selbstpflegefähigkeiten des Menschen fördern soll. Man unterstützt sie im Bereich einer sicheren Lebensführung. Dazu gehört neben der Haushaltsführung auch die psychische Sicherheit. Man fördert bzw. unterstützt die Patienten, falls es notwendig ist, bei der Gestaltung ihres Wohnbereiches. Man versucht, die pflegebedürftigen Patienten vor Verletzungen und Einschränkungen zu schützen, und man überlegt mit ihnen zusammen, welche Orientierungshilfen für sie dienlich sind usw.
Hierbei spielen nach Krohwinkel die räumliche Ausstattung, die Art und Anordnung der Einrichtungsgegenstände, die Ausstattung des Bettes, die Bestuhlung, Hilfsmittel zur Orientierung wie Kalender, Uhr, Zeitung, Zeitschriften, Radio, Fernsehen usw. eine Rolle.

Spezielle Pflege bei DM:

In diesen Bereich fallen alle Maßnahmen, die den Pat. vor (Bagatell-)Verletzungen schützen sollen, wie etwa die Wahl des richtigen Schuhwerks, Hausschuhe in der Wohnung tragen, korrekte Fußpflege etc.
Zusätzlich zähle ich auch die individuelle Anpassung einer Therapie an die Gewohnheiten und Bedürfnisse des Pat. dazu, sowie die Überwachung der Vitalzeichen (Puls, Blutdruck, BZ).

 

AEDL 9: Sich beschäftigen

Bei diesem Lebensbereich spielen die Tagesgestaltung, Hobbys, Interessen, selbständige Aktivitäten eine Rolle sowie die Aktivitäten, die zusammen mit anderen Personen (z.B. Angehörigen, Pflegepersonen, Physiotherapeuten, Ergo- und Logopäden) unternommen werden.

Spezielle Pflege bei DM:

  • Eingeschränkt in der freien Tagesgestaltung sind vor allem die Typ-2 Diabetiker, die nicht auf ICT eingestellt sind. Sie müssen sich an bestimmte Essenszeiten halten. Evtl. kann man aber mit dem Arzt gemeinsam einen Kompromiß finden, der dem natürlichen Rhythmus des Pat. näher kommt.
  • Insulinspritzende Diabetiker müssen darüber hinaus ihre körperlichen Aktivitäten stärker berücksichtigen als Diabetiker unter oraler Therapie. Entweder sie reduzieren für diese Aktivitäten ihr Insulin (wenn sie gut geschult sind) oder sie nehmen zusätzliche BE ein (sogenannte Sport-BE).