... meint hier den Vorgang, mit
dem ein Stoff (z.B. Insulin) ins Blut übertritt.
Je nach äußerem Einflußfaktor können
die Ergebnisse derart signifikant variieren, daß man
sie zur optimalen Therapie zumindest einmal gehört haben
sollte. Die Einflußfaktoren sind im Einzelnen:
- Applikationsart: (Der wichtigste Faktor)
- Insulin läßt sich sowohl subcutan
(s.c.), intramuskulär (i.m.) als auch
intravenös (i.v.) verabreichen; wobei
die Resorptionsgeschwindigkeit in dieser Reihenfolge zunimmt.
- Dicke der Fettschicht: (bei s.c.-Injektionen)
- Zum Einen muß man bei sehr dünnen Menschen darauf achten,
daß die geplante s.c.-Applikation nicht doch im Muskel landet
(was wegen der schnelleren Resorption zu schweren hypoglykämischen
Entgleisungen führen kann) und zum Anderen sind dickere Fettschichten
fast immer auch schlechter durchblutet. D.h. für die Praxis, daß
die Insulinansammlung dort nicht so viel Kontaktfläche zum Blut
hat und daher auch langsamer abgebaut wird. Hat man seine persönliche
Resorptionsgeschwindigkeit aber mal herausgefunden ist dieser Punkt
(zumindest aus resorptionstechnischer Sicht) unkritisch, denn dann kann
man das in seine Therapie einplanen. Einplanen sollte man auf jeden Fall, daß die Länge der Kanüle passend zur Dicke der subkutanen Fettschicht gewählt wird.
- Injektionstiefe: (bei s.c.-Injektionen)
- Zu den tieferen Subcutis-Schichten hin nimmt das Kapillarnetz zu,
so daß mit einer schnelleren Resorption gerechnet werden kann. Das erklärt auch, warum durch die Wahl einer passenderen Kanüle das Insulin besser wirken kann
als mit einer zu kurzen. Kanülenlängen von 5 oder 6 Millimeter sollten wirklich nur von Kindern oder sehr "dünnhäutigen" Menschen verwendet werden.
- Art des Insulins:
- Daß es Unterschiede in der Resorption von kurz- und langwirkenden
Insulinen gibt brauche ich sicher nicht extra zu erwähnen. Aber
auch bei den Kurzwirkenden ist es ein genereller Unterschied, ob man
nun ein Normalinsulin oder ein Insulinanalogon spritzt. Normalinsuline und Kurzzeitanaloga
liegen in Gruppe zu 6 Molekülen vor (Hexamere oder "Insulin-six-pack"
), müssen
aber erst in Monomere (also Einzelmoleküle) zerfallen, um resorbiert
werden zu können. Insulinanaloga zerfallen jedoch in der Regel schneller, weil die Bindung der Einzelmoleküle weniger stark ausgeprägt ist,
so daß sie wesentlich schneller resorbiert werden. Dementsprechend kürzer
ist auch ihre Wirkdauer.
- Umgebungstemperatur:
- Körper, die lange der Kälte ausgesetzt waren neigen zum
"zentralisieren". So nennt man einen physiologischen Vorgang,
bei dem körperstammferne Blutgefäße eng gestellt werden,
um den lebenswichtigen Organen durch kaltes Blut nicht zuviel Wärme
zu entziehen und überhaupt deren Durchblutung sicherzustellen.
- Insulindosis:
- Je höher die Einzeldosis, desto länger braucht es bis zu
ihrer vollständigen Resoption. Der Grund ist einfach und physikalisch:
Bei der Applikation bildet das subcutane Insulinreservoir ja eine räumliche
Struktur. Und deren Oberfläche (und damit auch Kontaktfläche
zum Blut) wächst nicht proportional zu derem Volumen.
Aus diesem Grund ist bei Einzeldosen über 8-10 I.E. ein "Splitting",
also das Aufteilen auf zwei oder mehr Resorptionsorte oft sinnvoller
als eine einzige große Dosis. Als Faustregel gilt: eine Verdreifachung der Dosis bewirkt eine Verdopplung der Wirkdauer.
Insulin wird aber auch schon im subcutanen Gewebe durch Enzyme abgebaut. D.h. je länger das Insulin dort verweilt, desto weniger
davon kommt tatsächlich auch als Insulin im Blut an und kann biologisch wirksam werden.
- Injektionsort:
- Man kann im Subcutangewebe Orte mit minderer und Orte mit höherer
Durchblutung unterscheiden. Allgemein wird die Gegend um den Bauchnabel
(periumbilikal) besser durchblutet als z.B. die Subcutis der Oberschenkel.
- Vorschädigungen:
- Wenn man jahrelang in die immer gleichen Stellen injiziert, dann ist
die Gefahr sehr groß, daß es aufgrund der ständigen
Gewebsverletzungen dort zu einem allmählichen Umbau der Gewebsstruktur
kommt. Die Betroffenen erkennen das z.B. in Form von Gewebsverhärtungen
oder Dellen (Dystrophien). Die Injektion in eine solche Stelle geht
oft mit unberechenbarer Resorption einher.
Wie Sie unschwer erkennen können,
kommt der Qualität und Quantität der Durchblutung bei der Resorptionsgeschwindigkeit
eine zentrale Rolle zu. Nun ist es aber auch so, daß die Resorption
tageszeitabhängigen Schwankungen und dem Hormonhaushalt (insbesondere
der Katecholamine) unterliegt. Es gibt durchaus Diabetiker, bei denen
eine zufriedenstellende Einstellung aufgrund von Störungen in diesem
Bereich nicht möglich ist. Diese Sonderform ist der sogenannte "Brittle-Diabetes",
der aber als solcher ziemlich selten ist. Oft finden sich bei labilen
Diabetikern andere ursächliche Fehler im Diabetesmanagment.
Die anderen Injektionstechniken (i.m.
und i.v.) sollten aufgrund der besonderen Risiken (Hämatome, Abszesse,
Nervenschädigungen etc.) nur von entsprechend angeleiteten Personen
durchgeführt werden. Es gibt aber durchaus Sonderfälle, bei
denen eine solche Applikation ziemlich sinnvoll sein kann. Dies wäre
dann im Zweifelsfall mit dem behandelnden Diabetologen zu besprechen und
in einer guten Schulung zu erlernen.
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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 07. Februar 2010 um 20:37 Uhr |