Bücher über Diabetes

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Resorption Drucken E-Mail
... meint hier den Vorgang, mit dem ein Stoff (z.B. Insulin) ins Blut übertritt.
Je nach äußerem Einflußfaktor können die Ergebnisse derart signifikant variieren, daß man sie zur optimalen Therapie zumindest einmal gehört haben sollte. Die Einflußfaktoren sind im Einzelnen:
Applikationsart: (Der wichtigste Faktor)
Insulin läßt sich sowohl subcutan (s.c.), intramuskulär (i.m.) als auch intravenös (i.v.) verabreichen; wobei die Resorptionsgeschwindigkeit in dieser Reihenfolge zunimmt.
Dicke der Fettschicht: (bei s.c.-Injektionen)
Zum Einen muß man bei sehr dünnen Menschen darauf achten, daß die geplante s.c.-Applikation nicht doch im Muskel landet (was wegen der schnelleren Resorption zu schweren hypoglykämischen Entgleisungen führen kann) und zum Anderen sind dickere Fettschichten fast immer auch schlechter durchblutet. D.h. für die Praxis, daß die Insulinansammlung dort nicht so viel Kontaktfläche zum Blut hat und daher auch langsamer abgebaut wird. Hat man seine persönliche Resorptionsgeschwindigkeit aber mal herausgefunden ist dieser Punkt (zumindest aus resorptionstechnischer Sicht) unkritisch, denn dann kann man das in seine Therapie einplanen. Einplanen sollte man auf jeden Fall, daß die Länge der Kanüle passend zur Dicke der subkutanen Fettschicht gewählt wird.
Injektionstiefe: (bei s.c.-Injektionen)
Zu den tieferen Subcutis-Schichten hin nimmt das Kapillarnetz zu, so daß mit einer schnelleren Resorption gerechnet werden kann. Das erklärt auch, warum durch die Wahl einer passenderen Kanüle das Insulin besser wirken kann als mit einer zu kurzen. Kanülenlängen von 5 oder 6 Millimeter sollten wirklich nur von Kindern oder sehr "dünnhäutigen" Menschen verwendet werden.
Art des Insulins:
Daß es Unterschiede in der Resorption von kurz- und langwirkenden Insulinen gibt brauche ich sicher nicht extra zu erwähnen. Aber auch bei den Kurzwirkenden ist es ein genereller Unterschied, ob man nun ein Normalinsulin oder ein Insulinanalogon spritzt. Normalinsuline und Kurzzeitanaloga liegen in Gruppe zu 6 Molekülen vor (Hexamere oder "Insulin-six-pack" ), müssen aber erst in Monomere (also Einzelmoleküle) zerfallen, um resorbiert werden zu können. Insulinanaloga zerfallen jedoch in der Regel schneller, weil die Bindung der Einzelmoleküle weniger stark ausgeprägt ist, so daß sie wesentlich schneller resorbiert werden. Dementsprechend kürzer ist auch ihre Wirkdauer.
Umgebungstemperatur:
Körper, die lange der Kälte ausgesetzt waren neigen zum "zentralisieren". So nennt man einen physiologischen Vorgang, bei dem körperstammferne Blutgefäße eng gestellt werden, um den lebenswichtigen Organen durch kaltes Blut nicht zuviel Wärme zu entziehen und überhaupt deren Durchblutung sicherzustellen.
Insulindosis:
Je höher die Einzeldosis, desto länger braucht es bis zu ihrer vollständigen Resoption. Der Grund ist einfach und physikalisch: Bei der Applikation bildet das subcutane Insulinreservoir ja eine räumliche Struktur. Und deren Oberfläche (und damit auch Kontaktfläche zum Blut) wächst nicht proportional zu derem Volumen. Aus diesem Grund ist bei Einzeldosen über 8-10 I.E. ein "Splitting", also das Aufteilen auf zwei oder mehr Resorptionsorte oft sinnvoller als eine einzige große Dosis. Als Faustregel gilt: eine Verdreifachung der Dosis bewirkt eine Verdopplung der Wirkdauer.
Insulin wird aber auch schon im subcutanen Gewebe durch Enzyme abgebaut. D.h. je länger das Insulin dort verweilt, desto weniger davon kommt tatsächlich auch als Insulin im Blut an und kann biologisch wirksam werden.
Injektionsort:
Man kann im Subcutangewebe Orte mit minderer und Orte mit höherer Durchblutung unterscheiden. Allgemein wird die Gegend um den Bauchnabel (periumbilikal) besser durchblutet als z.B. die Subcutis der Oberschenkel.
Vorschädigungen:
Wenn man jahrelang in die immer gleichen Stellen injiziert, dann ist die Gefahr sehr groß, daß es aufgrund der ständigen Gewebsverletzungen dort zu einem allmählichen Umbau der Gewebsstruktur kommt. Die Betroffenen erkennen das z.B. in Form von Gewebsverhärtungen oder Dellen (Dystrophien). Die Injektion in eine solche Stelle geht oft mit unberechenbarer Resorption einher.

Wie Sie unschwer erkennen können, kommt der Qualität und Quantität der Durchblutung bei der Resorptionsgeschwindigkeit eine zentrale Rolle zu. Nun ist es aber auch so, daß die Resorption tageszeitabhängigen Schwankungen und dem Hormonhaushalt (insbesondere der Katecholamine) unterliegt. Es gibt durchaus Diabetiker, bei denen eine zufriedenstellende Einstellung aufgrund von Störungen in diesem Bereich nicht möglich ist. Diese Sonderform ist der sogenannte "Brittle-Diabetes", der aber als solcher ziemlich selten ist. Oft finden sich bei labilen Diabetikern andere ursächliche Fehler im Diabetesmanagment.

Die anderen Injektionstechniken (i.m. und i.v.) sollten aufgrund der besonderen Risiken (Hämatome, Abszesse, Nervenschädigungen etc.) nur von entsprechend angeleiteten Personen durchgeführt werden. Es gibt aber durchaus Sonderfälle, bei denen eine solche Applikation ziemlich sinnvoll sein kann. Dies wäre dann im Zweifelsfall mit dem behandelnden Diabetologen zu besprechen und in einer guten Schulung zu erlernen.





Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 07. Februar 2010 um 20:37 Uhr