| Kontinuierliche Subcutane Insulin-Infusion (CSII; Pumpentherapie) |
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Die CSII ist die Steigerung
der ICT. Sie ist geeignet für alle Diabetiker, die von den Freiheiten einer
ICT profitieren, aufgrund problematischer Basalversorgung aber eine unzureichende
Stoffwechseleinstellung aufweisen.
Man sollte sich die Entscheidung zu
einer Pumpe aber nicht zu leicht machen. Eine saubere Therapieführung
mit Pumpe bedeutet auch eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem
Diabetes als solchem. Anders als den Pen, den man schon mal weglegen (und
dort dann auch vergessen) kann trägt man eine Pumpe 24 Stunden am
Tag mit sich. Wer seinen Diabetes nicht voll und ganz akzeptiert hat wird
dadurch immer wieder an ihn erinnert. Den anderen wird psychologisch kein
großer Unterschied auffallen, denn sie erleben Diabetes ohnehin
als ganz natürlichen Teil ihrer selbst. Ähnlich wie eine Brille
ist eine Pumpe ein Hilfsmittel, um eine körperliche Unzulänglichkeit
zu kompensieren. Und ähnlich wie eine Brille ist auch eine Pumpe
ein Fremdkörper, den man zumindest am Anfang ständig spürt. Ich weiß aber auch von Menschen
die sie ausprobiert und wieder abgelegt haben, weil sie sich daran gefesselt
fühlten. Mir wurde schon 1985 eine Pumpe angeraten, und
ich habe mich 17 Jahre dagegen gewehrt. Ich hatte die Vorstellung, daß
mich ständig dieses "Gebaumel" stören würde,
daß der Katheter drückt, daß es unbequem sei mit ihr
schlafen zu gehen, daß es zu kompliziert in der Bedienung wäre
usw. (Pumpenablehner wissen, was ich meine). Dann hatte ich Gelegenheit,
mal unverbindlich eine auszuprobieren. Eigentlich war nur ein Test mit
Kochsalz vorgesehen, aber ich wollte sie gleich unter realen Bedingungen
testen und habe sie mit Insulin gefüllt. NICHTS von meinen
Befürchtungen hat sich bewahrheitet. Und meine Nüchtern-BZs,
die sonst bei 240-300 lagen waren schon am ersten Tag unter 100. Beim
Essen mußte ich nicht mehr nach meinem Pen suchen oder mich stechen,
sondern einfach ein paar Knöpfchen drücken. Trotzdem würde ich jeden unterstützen, der eine Pumpe kategorisch ablehnt. Denn dazu muß man innerlich bereit sein. Wenn man ihr von Anfang an negativ begegnet, dann kann daraus nichts werden. Und dann ist es besser noch etwas zu warten, bis man wirklich bereit ist, als tatsächliche negative Emotionen aufzubauen, die später einem Umstieg im Wege stehen würden. Wie gesagt: ich habe 17 Jahre gebraucht, um soweit zu sein. Heute bedeutet sie für mich eine wesentlich größere Freiheit, weil ich mir keine Gedanken um Uhrzeiten zur Basalspritze mehr machen muss und meine Nüchternwerte trotzdem optimal sind, weil ich mein Insulin ständig bei mir trage und nicht für jede Mahlzeit stechen muß und weil ich durch die verschiedenen Bolus-Funktionen auf jede Situation reagieren kann. (weiteres siehe unten) Die CSII bietet eine noch physiologischere Anpassung an den individuellen Insulinbedarf, da hierbei mittels Programmierung der Pumpe für jede Stunde des Tages eine individuelle Basal-Dosis vorgegeben werden kann.
Mit Hilfe dieser genau auf den persönlichen Bedarf zugeschnittenen Basalraten können auch die bei der ICT entstehenden "Löcher" in der Basalversorgung gestopft werden. Das Ergebnis ist eine fast perfekte Insulinversorgung über den ganzen Tag, die nur noch von den persönlichen Grenzen limitiert wird.
"Fast" perfekt, denn der
wirklichen Perfektion steht noch die Limitierung durch die subcutane
Resorption entgegen, die bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt
ist. Diabetiker mit Pumpe müssen aber gesondert geschult werden und mitunter häufiger messen (besonders zu Therapiebeginn), da sie ja auch die Basalratenprogrammierung anpassen müssen. ("Programmierung" klingt komplizierter als es ist. Im Grunde stelle ich nur die Basalrate ein, mit der um 00:00 Uhr begonnen werden soll und dann jede Uhrzeit, an der sich die bis dahin geltende Basalrate ändert und die ab dann geltende Dosis) Und ganz wichtig:Pumpis müssen sich gut bis sehr gut mit
dem Erkennen und Beherrschen einer Ketoazidose auskennen. Unter ICT/CT
kaum ein Thema (solange das Basalinsulin als Ketobremse "drin"
ist), stellt eine Keto für einen Pumpi den Staatsfeind Nr. 1 dar. Was bei unvorhergesehenen körperlichen
Aktivitäten ein Segen ist (einfach temporär die Basalrate absenken
und dann passt das schon) kann zum Fluch werden, wenn aus irgendeinem
Grund die Insulinversorgung abbricht. (Katheterverstopfung, Katheter/Ansatzstelle
undicht, kein Insulin mehr in der Pumpe usw.) Dann wird die Ketogenese
nicht mehr gestoppt und es kann zu schweren Stoffwechselentgleisungen
kommen. Hieraus ergibt sich eine besondere Sorgfaltspflicht hinsichtlich
der BZ-Beobachtung. Steigt der BZ unerklärlicherweise an, sollte
sofort die Fahndung nach den Ursachen beginnen. Ebenso, wie er lernt die Sonderfunktionen seiner Pumpe bedarfsgerecht einzusetzen. Die temporäre Basalrate z.B. bei ungeplanter körperlicher Aktivität, den verlängerten Bolus (=ein eingestellter Bolus wird über einen bestimmten Zeitraum verteilt abgegeben) für längere Festessen, den Dualbolus (=erst ein normaler, danach anschließend ein verlängerter Bolus) für bestimmte Mahlzeiten, die sowohl Lebensmittel mit hohem, als auch solche mit niedrigem GI haben. Bei mir liegt z.B. neben dem üblichen Dawn,
der an feste Zeiten gebunden ist, noch ein variabler Dawn vor, den ich als
»Aufstehphänomen« bezeichne: Nach
ein paar Wochen Testen bin ich drauf gekommen, daß egal wann ich aufstehe
einen Bolusbedarf von 3 I.E. habe. Allerdings nicht im Schuß (wer würde sich
bei einem BZ von 70 mg/dl schon 3 I.E. im Schuß geben...) Mit Sicherheit war es aufwendig, dies alles so genau auszutesten. Mittlerweile ist es aber so normal wie morgens die Brille aufzusetzen. Als konsequente Weiterentwicklung der bestehenden Pumpensysteme würde ich schlußendlich die künstliche Betazelle ansehen, wie sie im französischen Montpellier derzeit erforscht wird. (Der Begriff "künstlicher Pankreas" wird zwar gern in diesem Zusammenhang benutzt, ist aber faktisch falsch, weil so ein Gerät ja die anderen Pankreasfunktionen nicht simulieren kann) Es handelt sich dabei um eine implantierbare Pumpe, die mit einem Katheter in der Vena jugularis kontinuierlich den BZ überwacht und bei BZ-Anstiegen direkt Insulin intravenös freisetzt. Bei Serienreife wird dies ein echtes closed-Loop System, bei dem der Pat. bestenfalls noch stichprobenartig überwachen muß, ob alles noch zur Zufriedenheit läuft. Solche System sind schon lange in der Erforschung, aber diesmal scheint das Ziel wirklich nahe zu sein. Warten wir´s ab... Falls man sich nicht zu einer der vorgestellten Insulintherapieformen entschließen kann, unter Diät alleine oder unter oraler Therapie dennoch nicht zu befriedigenden Ergebnissen kommt gibt es auch noch andere Therapieformen, nämlich Bedtime-Insulin und SIT.
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| Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 06. Februar 2010 um 13:24 Uhr |