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oder abgekürzt auch "SH".
Am gängigsten sind hier die Stoffe
Glibenclamid (Sulfonylharnstoff der 2. Generation, z.B. Euglucon®) und
Glimepirid (Sulfonylharnstoff der 3. Generation, Amaryl®). Sulfonylharnstoffe
der 1. Generation, z.B. das Tolbutamid finden heute kaum noch Verwendung.
Meist werden diese Medikamente morgens
und evtl. auch abends verabreicht. Der Wirkstoff regt die B-Zellen dazu
an, bereits gebildetes Insulin in die Blutbahn abzugeben. So steigt
der Insulinspiegel im Blut und der Blutzucker sinkt.
Es läßt sich aber keine
feste Regel darüber aufstellen, wie wirksam nun eine Tablette bei
einem bestimmten Patienten ist: die (Un-)Wirksamkeit wird nämlich
durch die individuelle Insulin(un)empfindlichkeit beim DM2 beeinflußt,
und durch das Ausmaß der noch vorhandenen Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse,
noch selbst Insulin zu bilden. Zum Verlauf der Erkrankung gehört
ja ein weiteres Fortschreiten, das heißt die Bauchspeicheldrüse
wird langsam schwächer und ist nach einigen Jahren auch unter dem
Antrieb der Sulfonylharnstoffe nicht in der Lage, für den Patienten
ausreichend Insulin zu erzeugen. Man spricht dann vom Sekundärversagen.
Wenn unter Maximaldosen oraler Antidiabetika keine gute Einstellung
erzielbar ist, ist der Zeitpunkt zur Umstellung auf Insulin gekommen.
Völlig unkritisch ist der Einsatz der SH, sowie generell aller Sekretagoga
(Medikamente, die die Sekretion der Betazellen stimulieren) jedoch auch wieder nicht.
Denn durch die gesteigerte Sekretionslast auf die Beta-Zellen sind die auch früher
total erschöpft und können gar kein körpereigenes Insulin mehr herstellen.
Besonders im Beginn einer Diabetestherapie sind diese körpereigenen Reserven
allerdings ein wertvolles Hilfsmittel, weil sie selbst unter einer adjuvanten
Insulintherapie kleinere Schwächen in der Therapie ausgleichen und so
BZ-Peaks vermeiden helfen.
Zudem wird mit einer Steigerung der Sekretionslast auch der Anteil an
Pro-Insulin erhöht. Diese unfertige Insulinvorstufe hat auf die Muskelzellen
nur ca. 10% der Wirkung von fertigem Insulin, auf die Fettzellen (und damit auch
auf die Adipogenese) jedoch die gleiche Wirkung.
Insbesondere für die Entwicklung des viszeralen (Organ-)Fetts ist so eine anabole
Wirkung jedoch höchst unerwünscht, da dieses Fettgewebe unter anderem auch Interleukin-6
produziert; ein Zytokin, das wesentlich an Entzündungsreaktionen beteiligt ist.
Durch diese Entzündungsreaktionen wird die Entstehung einer Arteriosklerose oder
KHK (Koronare Herzkrankheit) wesentlich begünstigt.
Mögliche Nebenwirkungen:
Sulfonylharnstoffe (=SH) wirken unabhängig vom jeweiligen BZ, daher
ist in erster Linie die Gefahr von Hypoglykämien zu nennen. (Die
dann wieder mit Glucose ausgeglichen werden müssen, was sich ungünstig
auf die Gewichtsreduktion auswirkt usw.)
Hier kann das neue Präparat Glimepirid (Amaryl®) glänzen,
denn darunter kommt es nicht so häufig zu Hypos wie bei anderen
Sulfonylharnstoffen.
Durch die vermehrte Insulinfreisetzung kann sich das Hungergefühl
verstärken, was dann wieder eine Gewichtszunahme begünstigt.
Weitere mögliche Nebenwirkungen wären metallischer Geschmack
im Mund, Kopfschmerzen, Magendruck, Völlegefühl, Übelkeit,
Erbrechen, Durchfall, Anstieg der Harnproduktion und Sehstörungen.
Gegenanzeigen:
Absoluter Insulinmangel, bzw. fehlende Insulinproduktion. SH können
ja nur wirken, wenn noch Insulin produziert wird, und man gibt kein
Medikament, was nicht wirken kann! Daher ist es bei schweren
Stoffwechselentgleisungen und Ketoazidose absolut kontraindiziert. Auch
während eine Schwangerschaft sollte es nicht eingenommen werden,
weil hier die Therapieführung zu ungenau ist. Bei Pat. mit kardialen
Problemen sollte ebenfalls auf eine SH-Therapie verzichtet werden, weil
es hier zu einer Verminderung körpereigener Schutzmechanismen kommen
kann.
Wechselwirkungen:
Alle Präparate, die den BZ erhöhen können (Glucocorticoide,
Schilddrüsenhormone, Katecholamine, Sexualhormone, bestimmte Diuretika),
können natürlich auch die Wirkung der SH vermindern. Beta-Blocker
können eine Hypo verlängern und die Wahrnehmbarkeit derselben
herabsetzen. (Was nicht oder nur sehr eingeschränkt für die
kardioselektiven, also nur am Herzen wirkenden Beta-Blocker gilt)
Manche Antibiotika (Tetracycline, Sulfonamide), MAO-Hemmer, manche ACE-Hemmer,
Cyclophosphamide (bestimmte Zytostatika) und Salizylate (z.B. Acetylsalizylsäure
= "Aspirin") können die Wirkung verstärken. Auch
die Cumarin-Wirkung kann durch die SH (unvorhersagbar) beeinflußt
werden.
Produkte: (Wirkstoffnamen in Klammern)
Duraglucon ® (Glibenclamid)
Euglucon N® (Glibenclamid)
Glibenclamid-ratiopharm ® (Glibenclamid)
Maninil ® (Glibenclamid)
Diamicron ® (Gliclazid)
Amaryl ® (Glimepirid)
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