| Nierenschwelle |
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Um das Phänomen der Nierenschwelle zu kennen
reicht es aus zu wissen, daß sie eine Art »Überdruckventil« ist, das Glucose ab
BZ-Werten von ca. 160-180 mg/dl mit dem Urin aus dem Körper ausschwemmt.
Um näher verstehen zu können warum das so ist müssen wir uns jedoch ein
wenig mit der Funktionsweise der Nieren und daher mit den Begriffen Osmose und Diffusion
befassen.
Osmose nennt man den Vorgang, wenn dabei das Lösungsmittel selbst von einer Seite der Membran zur anderen wandert, weil die Poren der Membran für den gelösten Stoff zu klein sind. Er kann sie nicht passieren, also kann nur ein Konzentrationsausgleich stattfinden, wenn das Lösungsmittel selbst vom Ort der niederen zum Ort der höheren Konzentration wandert. Die Kraft, mit der dieser Konzentrationsausgleich stattfindet erzeugt einen Druck, der auch als der »osmotische Druck«bekannt ist
Diffusion hingegen nennt man es, wenn die gelösten Stoffe selber vom Ort der höheren zum Ort der niederen Konzentration wandern. Dies ist immer dann möglich, wenn die Poren der Membran größer sind als die gelösten Stoffe selber. Ursache für diesen Transport ist, daß die in einer Lösung befindlichen Stoffe gegeneinanderstoßen und quasi versuchen "sich aus dem Weg zu gehen", indem sie sich zu einem Ort begeben, wo weniger von ihrer Art vorhanden sind. Nachdem diese beiden grundlegenden Begriffe geklärt sind können wir uns der eigentlichen Nierenfunktion zuwenden. Die Niere hat die Aufgabe: (Beispiele in Klammern)
Um diesen Aufgaben nachkommen zu können wird in den Nieren zunächst einmal der
sogenannte Primärharn gebildet. Bei Männern sind das etwa
125ml/min, bei Frauen etwa 110ml/min. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:Wir hatten ja eingangs festgestellt, daß Osmose und Diffusion Transportvorgänge sind. Und Sie wissen auch, daß ein Transporter nicht unendlich belastbar ist. Dieser hier ist das auch nicht, es gibt ein sogenanntes »Transportmaximum«, das bei Glucose eine vollständige Rückresorption nur bis zu einem BZ von 160 bis 180 mg/dl ermöglicht. Im Primärharn wird die Glucose aus dem Blut landen, egal wie hoch der BZ ist. Aber aus dem Primärharn kann höchstens eine bestimmte Menge (siehe oben) zurück transportiert werden. Der Rest bleibt im Primärharn, der dann später zum Sekundärharn wird. Und hier greift dann der osmotische Druck der Glucose: Der Rest, der nicht wieder in das Blut abgegeben werden kann bindet Wasser im Primärharn, wodurch sich die Menge des Sekundärharns drastisch erhöht. Das Endergebnis ist eine Exsikkose (=Austrocknung des Körpers). Aus den Nieren wandert der Sekundärharn in die Blase, die sich bei diesen Mengen natürlich schneller füllt und einen so häufiger zur Toilette führt. Der Körper verliert also viel Wasser und will das wieder ausgleichen, indem er das Durstgefühl steigert. Die Folge ist, daß der Diabetiker, der wegen seines hohen BZs viel Wasser verliert (=Polyurie) auch viel trinkt (=Polydipsie). Also muß man in diesem Fall nicht häufig zur Toilette, weil man soviel trinkt, sondern man muß soviel trinken, weil man so häufig zur Toilette geht! |
| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 07. Februar 2010 um 20:36 Uhr |