| Insulinmangel |
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Der Insulinmangel ist das führende
Problem eines unbehandelten Typ-1 Diabetes, wohingegen bei einem unbehandelten
Typ-2 zunächst ein Insulinüberschuß vorliegt, der später
infolge Erschöpfung der Betazellsekretion in einen Zustand des absoluten
Mangels übergehen kann (wird).
Damit die Körperzellen arbeiten können benötigen sie Energie. Normalerweise gewinnen sie diese Energie indem sie Glucose umwandeln (oxidieren; "verbrennen"). Reicht das Glucoseangebot im Blut nicht aus, dann greifen sie auf ihre Speichervorräte zurück, das Glykogen. Das wird dann zu Glucose umgewandelt und oxidiert. Neue Glucose bezieht die Zelle aus dem vorbeifließendem Blut. Mit Hilfe des Insulins gelangt sie auf biochemischem Weg in die Zelle, wo sie entweder oxidiert oder zu Glykogen umgewandelt und erneut gespeichert wird. Produzieren die Betazellen kein oder nicht mehr genug Insulin, so kommt es zum absoluten Insulinmangel. Ich betone das deshalb, weil man im Gegensatz dazu den relativen Insulinmangel sehen muß. Hierbei wird von den Beta-Zellen noch genug, oft sogar zuviel Insulin produziert, aber es ist trotzdem nicht in der Lage, den BZ innerhalb normaler Toleranzen zu halten. Man spricht dann auch von einer Insulinresistenz: Es ist zwar Insulin da, aber aus Sicht des Körpers zu wenig, um den BZ zu senken. Die Betazellen können natürlich nicht registrieren, daß eine Resistenz vorliegt. Sie registrieren nur den erhöhten BZ und tun, wozu sie da sind: Insulin produzieren und ausschütten. Und damit treiben sie diesen Teufelskreis weiter, denn zuviel Insulin erhöht die Insulinresistenz. Vor der Entdeckung des Insulins war Diabetes mellitus (insbesondere des Typs 1) eine tödlich verlaufende Krankheit. Um nachvollziehen zu können warum das so war, muß man sich die Abläufe im Körper während einer Hyperglykämie deutlich machen: Zunächst einmal: Nervenzellen
ernähren sich fast ausschließlich von Glucose. Sie liegen
nicht nur als Nervenfasern oder -stränge vor, sondern aus
ihnen besteht auch das Gehirn, daß alle Vorgänge des
Körpers steuert. Ohne Gehirn ist man nicht lebensfähig
(Wer hätte das gedacht...). Daher ist klar, daß
die Ernährung der Nervenzellen auf jeden Fall sichergestellt
sein muß. Zwar können Nervenzellen außerhalb des Gehirns ihre Energie auch aus freien Fettsäuren und Ketonkörpern beziehen, aber das ist ein Vorgang, der recht langsam in Gang kommt. Dem Gehirn selber ist das nicht möglich, denn das wird durch die Blut-Hirn-Schranke verhindert. (Diese läßt u.a. keine Fette passieren) Das zweitwichtigste Gewebe ist das Organgewebe, aus dem Nieren, Leber, Darm usw. bestehen. Auch diese Zellen brauchen auch nicht unbedingt Insulin, um an die Glucose zu kommen. Mit Insulin können sie sie aber doch besser verwerten. Den Muskelzellen (Skelettmuskel, Herzmuskel), die die Hauptarbeit des Körpers leisten, ist es ohne Insulin nur sehr schwer möglich, genügend Glucose in die Zelle zu bekommen. Sie haben jedoch die Möglichkeit, alternativ zur Glucose ihre Energie auch aus Fettsäuren zu beziehen. Somit ist gewährleistet, daß der Körper auch im Insulinmangel "funktionieren" kann. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Insulin hat aber auch eine Aufgabe als Regelhormon. So bremst es z.B. die Gluconeogenese aus und verhindert so, daß von der Leber neu gebildete Glucose den BZ nahrungsunabhängig ansteigen läßt. Fällt diese "Bremse" aus, so kann die Leber weiter Glucose ausschütten, der BZ steigt und der Körper muß versuchen, dieses Überangebot wieder loszuwerden. In die Körperzellen kann es nicht (in ausreichender Menge) verschwinden, also wird es über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden. Die normale Urinmenge von 1,5-2 Liter pro Tag kann dabei bis auf das Zehnfache ansteigen (Polyurie). Die Folge ist nicht nur ein massiver Wasserverlust der mit großem Durst einhergeht (Polydipsie), sondern auch ein großer Verlust an Körpersalzen (Natrium, Kalium). Dies führt zu Funktionsstörungen am Herzen, begünstigt einen weiteren Wasserverlust und führt letztendlich zur eine Mangeldurchblutung vor allem auch des Gehirns. Die Folge ist ein Koma. Auf der anderen Seite kann das fehlende
Insulin den Fettabbau nicht mehr bremsen, durch den gesteigerten Fettabbau
entstehen vermehrt Ketonkörper. Dadurch sinkt der Blut-pH auf Werte
unter 7,37 (normal zwischen 7,37 und 7,43) und es kommt zur
Azidose (Übersäuerung des Blutes). Da sie dem Stoffwechsel entspringt
spricht man von einer metabolischen Azidose (im Gegensatz zur respiratorischen
Azidose, die atmungsbedingt ist).
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| Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 06. Februar 2010 um 12:26 Uhr |