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Diabetestypen
(Übrigens: Laut WHO-Definition schreibt
man die Zahl nicht mehr in römischen Zahlen)
Typ 1:
DM mit absolutem Insulinmangel, früher oft auch als juveniler DM
oder »Jugenddiabetes« bezeichnet. Auftreten meist vor dem
40. Lebensjahr, Pat. sind meist schlank und normgewichtig. Der Krankheitsbeginn
ist schnell und dramatisch: die Pat. verlieren rapide an Gewicht trotz
adäquater Ernährung, sind schlapp und müde, sie haben
großen Durst und lassen massenhaft Urin.
LADA:
(=Latent insulinpflichtiger Diabetes im Erwachsenenalter) Eine Sonderkategorie
des Typ 1, da ebenso wie beim Typ 1 Antikörper gegen Inselzellen
nachweisbar sind (Im Gegensatz zum Typ 2).
Ansonsten zeichnet sich dieser Diabetestyp dadurch aus, daß er
nicht primär Insulinpflichtig ist und am Anfang oft noch auf eine
orale Therapie (z.B. mit Sulfonylharnstoffen) anspricht. Mit der Zeit
erliegt diese Ansprechbarkeit jedoch und der Pat. wird insulinpflichtig.
Typ 2:
DM mit relativem Insulinmangel, tritt häufig nach dem 40. Lebensjahr
auf.
Der typische Typ 2 (es gibt auch schlanke Pat. mit Typ 2, den
Typ 2a) ist übergewichtig (Stammfettsucht; »Bierbauch«),
hat eine Fettstoffwechselstörung mit erhöhten Blutfetten (Hyperlipidämie)
und eine Hypertonie (=Bluthochdruck). Dies alles wird unter dem Stichpunkt
metabolisches Syndrom zusammengefaßt. (metabolisch = mit dem Stoffwechsel
zusammenhängend)
Rufen wir uns die Wirkmechanismen des
Insulins ins Gedächtnis, so fällt dem Punkt »Hemmung der
Lipolyse« hier ein besonderes Gewicht zu. Insbesondere wenn man
diesen Punkt mit der bei Typ 2ern vorhandenen Insulinresistenz verknüpft:
aufgrund der Resistenz bleibt der hohe BZ bestehen, es wird also vermehrt
Insulin ausgeschüttet und kann dann auch vermehrt die Lipolyse hemmen,
beziehungsweise die Einlagerung von Depotfett begünstigen.
Nicht umsonst gilt Insulin als Masthormon und wurde als solches in der
Viehzucht eingesetzt.
Als man nach dem 2. Weltkrieg die unterernährten Stadtkinder auf
ländliche Gebiete verschickte, um sie dort etwas "aufzupäppeln"
wurden ihnen u.a. auch kleine Dosen Insulin zu diesem Zweck verabreicht.
Mit dem Beginn der Wohlstandsgesellschaft in der Nachkriegszeit stieg
auch die Zahl der Typ-2 Diabetiker beträchtlich an. DM 2 wurde
immer mehr zur Volkskrankheit. Heute gibt es in der BRD nahezu 5 Millionen
Pat. mit DM 2 gegenüber etwa 300.000 mit Typ 1.
Und die Dunkelziffer, d.h. die Zahl der nicht erkannten Typ 2er muß
enorm sein. Schätzungen gehen davon aus, daß auf jeden entdeckten
Diabetiker ein unentdeckter kommt.
(Man bedenke einfach, daß ein Typ 1 aufgrund der sehr schnell
und dramatisch einsetzenden Beschwerden relativ früh diagnostiziert
wird, wohingegen die durchschnittliche Dauer zwischen Erstmanifestation
und Diagnose beim Typ 2 etwa 5 Jahre beträgt.)
Nicht selten werden Typ-2 Diabetiker
auch heute noch diskriminiert indem behauptet wird, sie hätten sich
ihren DM regelrecht "angefressen". Als Beleg dafür wird
die steigende Zahl der diagnostizierten Typ 2er angeführt.
(Ein selten genutzter aber deswegen nicht weniger widerlicher "Beleg"
sind Vergleiche mit KZ-Häftlingen, unter denen ein Typ-2 Diabetes
seltener anzutreffen war. Kein Wunder: wo nichts ist, kann auch nichts
ansetzen. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, die geringe
Scheidungsrate unter KZ-Häftlingen als Indiz für glückliche
Ehen anzunehmen!)
Fakt ist, daß es viele Menschen mit
teilweise erheblichem Übergewicht gibt, die nicht an Diabetes
erkranken. Ohne die genetische Prädisposition kann kein Diabetes
entstehen
MODY:
(=Maturity onset diabetes of the young) Eine Sonderform ähnlich
dem Typ-2 Diabetes mellitus, denn hier findet man bei nicht-Insulinpflichtigkeit
keine Antikörper.
Tritt im Alter bis etwa zum 25. Lebensjahr bei Kindern und jungen Erwachsenen
auf und beruht auf Mutationen bestimmter Genabschnitte, die die Insulinsekretion
negativ beeinflußen. Wurde früher dem Typ 2 zugerechnet;
seit Bekanntwerden der Pathogenese aber eher dem Typ 3a
Typ 3:
Der Typ 3 unterteilt sich in folgende Typen:
- 3 A (Genetischer Defekt der B-Zelle)
Chromosom 20 (MODY 1)
Chromosom 7 (MODY 2)
Chromosom 12 (MODY 3)
Mitochondriale DNA (MIDD, Maternally
Inherited Diabetes and Deafness)
Andere Defekte
-
3 B (Genetische Defekte der Insulinwirkung)
Insulinresistenz Typ A
Lipatrophischer Diabetes
Andere Defekte
3 C (Krankheiten des exokrinen Pankreas)
Pankreatitis
Traumen/Pankreatektomie
Neoplasmen
Zystische Fibrose
Hämochromatose
Andere Erkrankungen
3 D (Endokrinopathien)
Akromegalie
Morbus Cushing
Glucagonom
Somatostatinom
Hyperthyreose
Phäochromozytom
Aldosteronom
Andere
Erkrankungen
3 E (durch Drogen- oder Chemikalien induziert)
Vacor
(Rattengift)
Pentamidin
Nikotinsäure
Glucocorticoide
Schilddrüsenhormone
Diazoxid
Beta-Sympathomimetika
Thiazid-Diuretika
Dilantin
alpha-Interferon
andere
Substanzen
3 F (Infektionen)
Kongenitale Röteln
Zytomegalievirus
Andere
Infektionen
3 G (Seltene Formen eines immunologisch vermittelten Diabetes)
"Stiff-man"-Syndrom
Anti-Insulin-Rezeptor-Antikörper
Andere Formen
3 H (andere genetische Syndrome, die gelegentlich mit Diabetes vergesellschaftet
sind)
Down-Syndrom
Klinefelter-Syndrom
Turner-Syndrom
Wolfram-Syndrom
Friedreich´sche Ataxie
Chorea Huntington
Dystrophia myotonica
Porphyrie
Prader-Willi-Labhart-Syndrom
Andere
Syndrome
Typ 4:
Der Gestationsdiabetes
(Schwangerschaftsdiabetes).
Tritt während einer Schwangerschaft mit einer Häufigkeit von
1-5% auf, meist ab der 24. Woche und bildet sich nach Entbindung oft
vollständig zurück. Meist liegt bei diesen Frauen die genetische
Prädisposition für einen DM 2 vor, und sie sollten das dementsprechend
auch später immer im Auge behalten.
Muß trotzdem sehr ernst genommen werden, denn oft kommt es bei
unerkanntem Typ 4 zu Problemen unter der Geburt ("Frühgeburt
mit fatalem Ausgang" oder "ungeklärter intrauteriner
Fruchttod") oder zu bleibenden Schädigungen des Ungeborenen.
Andere Einteilungen berücksichtigen
nicht so sehr die Entstehungsursache, sondern den Insulinbedarf. Bisher
üblich sind die Begriff IDDM (Insulin dependent Diabetes mellitus
= Insulinabhängiger DM) und NIDDM (Non-Insulin dependent Diabetes
mellitus = Nicht Insulinabhängiger DM).
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat gerade eine neue Klassifizierung
beschlossen, die die Aussagen über den Insulinbedarf noch feiner
abstimmt und fünf Patientengruppen umfasst:
- NIR:
- "non-insulin requiring", für Patienten, die mit
oralen Antidiabetika auskommen.
- IRC:
- "insulin requiring for control". Patienten, die in diese
Klasse fallen, müssen zusätzlich Insulin spritzen.
- IRS:
- "insulin requiring for survival" meint nichts anderes,
als daß diese Patienten praktisch keine endogene Insulinsekretion
(mehr) aufweisen – den klassischen Typ-1-Diabetes also, zusätzlich
aber auch Typ-2-Diabetiker, deren Beta-Zellen im Laufe der Krankheit
den Geist aufgegeben haben.
- ND:
- "non-diabetics", Nicht-Diabetiker.
- IGT:
- "impaired glucose tolerance", Patienten mit gestörter
Glucosetoleranz.
Der Unterschied zur alten Einteilung
liegt darin, daß die WHO den Diabetes jetzt anhand klinischer Schweregrade
und nicht mehr anhand der Ätiologie klassifiziert.
Diese Einteilung ist aber noch relativ neu, so daß es noch eine
Zeit dauern wird, bis sie den Einzug in den medizinischen Sprachgebrauch
finden wird.
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